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christaWer sagt, dass der Herr sein Hirte ist, muss ein Schaf sein. Das hat mir unlängst jemand, nicht gerade freundlich, gesagt.
Das Bild ist idyllisch: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Es ist der Anfang des 23. Psalms in der Bibel. Generationen von Menschen haben diese Worte begleitet durch Höhen und Tiefen ihres Lebens.
„Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser“, heißt es weiter. Es ist ein Bild aus längst vergangenen Tagen. Vielleicht sieht man in der Lüneburger Heide noch Hirten, aber sonst sind sie aus unserer Welt verschwunden. So ist auch der 23. Psalm mehr als 2500 Jahre alt. Doch auf faszinierende Art hat er bis heute seine Aussagekraft bewahrt. Denn obwohl es keine Hirten in unserer Zeit gibt, ist das Bild eindringlich und eindrücklich.
Vielleicht wäre es einen Versuch wert, den Hirten durch eine Bezeichnung zu ersetzen, die besser in unsere Zeit passt. Der Herr ist mein Boss? Mein Präsident? Meine Bank? Mein Versicherung?
Nein, es geht nicht. Ich finde keine Formulierung oder Bezeichnung, die mich überzeugt. Aber wahrscheinlich muss ich das auch nicht. Der gute Hirte ist ein Urbild vom Wirken Gottes in unserer Welt. Und es ist zugleich – und auch das ist immer wieder faszinierend – ein Leitbild für viele Menschen, in ihrem persönlichen Umfeld selbst wie ein Hirte zu wirken. Ich denke an Menschen, die für andere einstehen, die Schwächere beschützen, die anderen Trost spenden oder neuen Mut zusprechen.
Denn so sind sie, die Hirten. Sie machen meistens keine großen Worten. Sie sind einfach da mit wachem Blick. Sie bleiben, auch wenn es dunkel wird. Solchen Menschen zu begegnen, das sind Glücksfälle im Leben. Mancher hat auch erst durch eine solche Begegnung Gott selbst erfahren.
Und ich muss gestehen, unter diesen Bedingungen, behütet und beschützt vom guten Hirten, bin ich gerne ein Schaf.

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